Ein Spitzenspiel, das seinem Namen in Sachen Intensität definitiv gerecht wurde – allerdings unter schwierigen Vorzeichen. Der HBC Wittenberg musste sich am Samstag beim DRHV 06 II nach einem außergewöhnlichen Spielverlauf mit 36:39 (14:19) geschlagen geben. Zahlreiche Zeitstrafen, zwei Disqualifikationen auf Wittenberger Seite und ein über weite Strecken zerfahrener Spielverlauf stellten den HBC vor enorme Herausforderungen. Trotzdem kämpfte sich die Mannschaft selbst nach einem Sechs-Tore-Rückstand noch einmal bis auf zwei Treffer heran.
Schon die ersten Sekunden ließen erahnen, dass es kein gewöhnliches Spitzenspiel werden sollte. Nach gerade einmal 40 Sekunden erhielt Pascal Beyer die erste Zeitstrafe der Partie. Eine Szene, die auf Wittenberger Seite für Verwunderung sorgte: Beyer hatte den Ball nach der Aktion fallen beziehungsweise auf den Boden gelegt, dieser prallte gegen seine eigene Hacke und rollte lediglich wenige Meter davon. Die Unparteiischen werteten die Situation dennoch als Verzögerung und verhängten zwei Minuten.
Es sollte nicht die letzte Entscheidung bleiben, die für Diskussionen sorgte.
Auch spielerisch fanden zunächst beide Mannschaften nur schwer in die Begegnung. Erst nach knapp vier Minuten fiel das 1:0 für die Gastgeber. Der HBC hielt dagegen, musste jedoch bereits in der 7. Minute den ersten personellen Rückschlag hinnehmen: Nico Elias wurde nach einer äußerst umstrittenen Situation disqualifiziert. Damit fehlte früh eine weitere Option im ohnehin nicht vollständig besetzten Wittenberger Kader.
Gerade defensiv hatte sich der HBC für die junge und dynamische Dessauer Mannschaft einiges vorgenommen. Mit einer offensiven 4:2-Abwehr sollten die Gastgeber früh unter Druck gesetzt, deren Spielfluss gestört und Ballgewinne provoziert werden.
Dieser Matchplan ließ sich allerdings kaum umsetzen. Durch die frühen Zeitstrafen und die Disqualifikation gegen Nico Elias musste der HBC immer wieder in Unterzahl verteidigen – zeitweise sogar in doppelter Unterzahl. Die eigentlich vorgesehene offensive 4:2-Deckung war unter diesen Voraussetzungen kaum konsequent spielbar. Statt Dessau mit der geplanten aggressiven und aktiven Abwehrarbeit früh den Rhythmus zu nehmen, waren die Wittenberger immer wieder gezwungen, personell und taktisch zu reagieren.
Trotzdem hielt der HBC dagegen und ließ sich von den frühen Rückschlägen nicht aus dem Spiel nehmen.
Nach 6:10 zurück im Spiel
Dessau fand zunehmend besser in die Partie und setzte sich über 5:3 zunächst auf 10:6 ab. Doch Wittenberg zeigte bereits in dieser Phase jene Moral, die sich durch den gesamten Nachmittag ziehen sollte.
Statt den Gastgeber davonziehen zu lassen, kämpfte sich der HBC Tor um Tor zurück. Über 10:7, 11:8 und 12:9 verkürzte Wittenberg weiter und stellte wenig später beim 11:11 sogar den Ausgleich her.
Dessau blieb jedoch konsequent. Besonders Richard Bruno Grießhammer, der am Ende zehnmal traf, und Devin Plott mit acht Toren stellten die Wittenberger Defensive immer wieder vor Aufgaben.
In den letzten Minuten des ersten Durchgangs gelang es dem DRHV II schließlich, sich etwas deutlicher abzusetzen. Über 15:11 und 17:13 ging es mit einem 19:14 in die Halbzeitpause.
Fünf Tore Rückstand – aber entschieden war diese Partie noch lange nicht.
Nächster schwerer Rückschlag nach der Pause
Wittenberg kam mit viel Energie aus der Kabine. Pascal Beyer traf unmittelbar nach Wiederbeginn zum 19:15, Devin Plott antwortete zum 20:15. Wenig später verkürzte Joey Krickenmeier auf 20:16.
Doch gerade als der HBC wieder Fuß fassen wollte, folgte der nächste Einschnitt.
Ben Langner musste in der 35. Minute nach seiner dritten Zeitstrafe ebenfalls vorzeitig vom Feld. Nach Nico Elias verlor der HBC damit bereits den zweiten Spieler durch eine Disqualifikation.
Die Auswirkungen waren deutlich spürbar. Immer wieder musste Wittenberg in Unterzahl, phasenweise sogar in doppelter Unterzahl, enorme Lauf- und Defensivarbeit verrichten. Eine Situation, die Kraft kostete und gleichzeitig die Möglichkeiten einschränkte, das eigene Spiel konsequent aufzuziehen.
Dennoch blieb der HBC dran.
Über 23:20 und 25:21 hielt Wittenberg die Partie offen. Nach knapp 40 Minuten stand es 27:24 – lediglich drei Treffer trennten beide Mannschaften.
Dann erwischte Dessau seine stärkste Phase.
Sechs Tore hinten – und trotzdem nicht geschlagen
Innerhalb weniger Minuten setzte sich der DRHV über 28:24 und 29:24 auf 30:24 ab. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte die Begegnung endgültig kippen können.
Doch genau das tat sie nicht.
Der HBC arbeitete weiter, suchte seine Möglichkeiten und ließ sich trotz aller Widrigkeiten nicht abschütteln. Allen voran Pascal Beyer übernahm immer wieder Verantwortung. Mit zwölf Treffern avancierte er zum erfolgreichsten Wittenberger Torschützen des Nachmittags.
Auch Joey Krickenmeier mit sieben Toren, Jeremy Engel mit fünf Treffern und Ben Langner mit fünf Toren bis zu seiner Disqualifikation setzten wichtige Akzente. Fiete Reuter steuerte drei Treffer bei, Lennart Mieth zwei sowie Nico Elias und Maximilian Wehner jeweils einen.
Und plötzlich wurde aus einem vermeintlich komfortablen Dessauer Vorsprung wieder ein richtig enges Handballspiel.
Nach dem zwischenzeitlichen 33:28 startete Wittenberg die nächste Aufholjagd. Beyer traf zum 33:29 und kurz darauf zum 33:30.
Der HBC war wieder da.
Dessau antwortete und stellte auf 35:30, doch auch davon ließ sich Wittenberg nicht endgültig abschütteln. Krickenmeier traf zum 35:32, Fiete Reuter zum 36:33.
Als Jeremy Engel in der 58. Minute das 36:34 erzielte, waren es plötzlich nur noch zwei Tore.
Nach allem, was zuvor passiert war, war das Spitzenspiel gut zwei Minuten vor Schluss wieder völlig offen.
Dessau behält in der Schlussphase die Nerven
Der DRHV II fand allerdings die passende Antwort. Der ehemalige Wittenberger Jugendspieler Leon Merten stellte auf 37:34, wenig später folgte das 38:34. Reuter verkürzte noch einmal auf 38:35, ehe Stojan Philipp 47 Sekunden vor dem Ende mit dem 39:35 die Entscheidung herbeiführte.
Den letzten Treffer des Tages erzielte Jeremy Engel zum 39:36-Endstand.
So stand am Ende eine Niederlage auf der Anzeigetafel, die nur einen Teil der Geschichte dieses Spiels erzählt.
Denn der HBC hatte über 60 Minuten enorme Arbeit leisten müssen. Zwei Disqualifikationen, zahlreiche Unterzahlsituationen und die daraus resultierende zusätzliche Belastung hinterließen zwangsläufig Spuren. Entsprechend müssen auch die 25 Fehlwürfe und 16 technischen Fehler im Kontext des gesamten Spielverlaufs betrachtet werden.
Sie bleiben dennoch ein Ansatzpunkt. Unabhängig von den äußeren Umständen ist die Fehlerquote ein Bereich, den die Mannschaft in der kommenden Trainingswoche aufarbeiten muss. Dessau zeigte an diesem Nachmittag die Qualität einer Spitzenmannschaft und bestrafte Wittenberger Ballverluste und Fehlwürfe immer wieder konsequent.
Personelle Situation bleibt angespannt
Hinzu kommt die weiterhin schwierige personelle Situation. Lasse und Tjorven fallen nach wie vor auf unbestimmte Zeit aus. Auch Zsolt Hetzmann stand noch nicht wieder vollständig fit zur Verfügung. Gerade defensiv und am Kreis fehlen dem HBC dadurch zusätzliche Möglichkeiten.
Umso höher ist die kämpferische Leistung der Spieler einzuordnen, die in Dessau auf der Platte standen. Trotz aller Rückschläge, Unterzahlsituationen und eines zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstands blieb die Mannschaft bis in die letzten Minuten in Schlagdistanz.
Auch die Gastgeber haderten während der Begegnung sichtbar mit einzelnen Entscheidungen der Unparteiischen. Ein eigentlich hochklassiges Spitzenspiel zweier starker Mannschaften wurde dadurch immer wieder aus seinem Rhythmus gebracht.
HBC-Trainer Christian Brandt fand nach dem Abpfiff deutliche Worte:
„In meinen 35 Jahren Handball habe ich viel erlebt, aber solch ein Spiel noch nicht. Zwei qualitativ sehr gute Mannschaften wollten dem Prädikat Spitzenspiel gerecht werden. Leider wurden beide Mannschaften immer wieder aus dem ‚Tritt‘ gebracht durch unglücklich agierende Schiedsrichter. Meiner Mannschaft kann ich in Sachen Kampf und Einstellung keinen Vorwurf machen. Jetzt heißt es ‚Mund abputzen‘ und weitermachen.“
Der HBC nimmt aus Dessau keine Punkte mit – aber die Erkenntnis, selbst unter schwierigen Bedingungen und nach zahlreichen Rückschlägen nicht auseinanderzufallen. Von 24:30 noch einmal auf 34:36 heranzukommen, spricht für die Moral dieser Mannschaft.
Gleichzeitig hat die Partie gezeigt, woran gearbeitet werden muss. Die Fehlerzahl muss reduziert, die eigenen Chancen müssen konsequenter genutzt werden. Die Saison ist noch jung und nach dem ersten Dämpfer bleibt die Marschroute dieselbe: aufarbeiten, weiterarbeiten und von Spiel zu Spiel denken.
Denn die nächste Aufgabe wartet bereits.
🖤🤍 Nächster HBC-Spieltag
HBC Wittenberg – HT Halberstadt
📅 Samstag, 26.09.2026
⏰ 17:30 Uhr
📍 Heimspiel
Für den HBC spielten: Nobi (14 Paraden), Fynn (4 Paraden), Brandi, Zsolt, Jay (5/1), Klausi, Fiete (3), Calle (12), Joey (7), Lennart (2), Nico (1), Ben (5/1), Miami, Homer.
Bank: Mo, Lasse, Albert, Schmidti
Mund abputzen. Weiter geht’s. 🖤🤍
Adresse:
HBC Wittenberg
Straße der Befreiung 113
06886 Wittenberg
